Integration, die bleibt

Forschung und Praxis für nachhaltige Ausbildungserfolge internationaler Pflege-Auszubildender

Die Integration internationaler Pflege-Auszubildender ist eine zentrale Herausforderung moderner Pflegeausbildung und entscheidet maßgeblich über Ausbildungserfolg, Bindung und Verbleib.

Der Fachkräftemangel in der Pflege entscheidet sich nicht bei der Rekrutierung, sondern im Ausbildungsalltag. Internationale Pflege-Auszubildende brauchen mehr als Sprachzertifikate – sie brauchen Strukturen, die Zugehörigkeit, Handlungssicherheit und nachhaltigen Ausbildungserfolg ermöglichen.

Dieser Forschungsbericht zeigt auf empirischer Grundlage, wie Integration tatsächlich erlebt wird – und welche Faktoren Ausbildung stabilisieren, Bindung fördern und Abbrüche vermeiden.

Dieser Beitrag ist Teil des Forschungsbereichs der OKOHO Consulting GmbH (2025).

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OKOHO Consulting GmbH verbindet Forschung, Praxis und Personalstrategie. Unsere Integrations- und Qualifizierungskonzepte entstehen nicht aus Annahmen, sondern aus empirisch gesicherten Erkenntnissen.

Ziel ist es, Integration für Pflegeeinrichtungen messbar, gestaltbar und langfristig erfolgreich zu machen – entlang realer Ausbildungsprozesse und organisationaler Anforderungen.

Zentrale Forschungsergebnisse auf einen Blick

Die qualitative Studie zeigt, dass Integration internationaler Pflege-Auszubildender nicht als einmaliger Schritt verstanden werden kann, sondern als fortlaufender Prozess. Ausbildungserfolg entsteht dort, wo Schutz, Struktur und Zugehörigkeit systematisch ermöglicht werden.

Die zentralen Forschungsergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

• Integration wird als Balance zwischen Schutz und Belastung erlebt.
• Besonders die Probezeit und der erste Praxiseinsatz sind kritische Phasen.
• Sprache wirkt als Schlüssel zur Zugehörigkeit, Handlungssicherheit und Anerkennung im Team.
• Emotionale Sicherheit ist eine zentrale Voraussetzung für Lernen und Entwicklung.
• Fehlende Übergänge zwischen Schule, Praxis und Alltag erhöhen das Risiko von Überforderung und Abbruch.

Diese Ergebnisse machen deutlich: Integration ist kein individueller Anpassungsprozess, sondern eine organisationale Gestaltungsaufgabe.

Integration als Balance zwischen Schutz und Belastung in der Pflegeausbildung

Integration als Balance zwischen Schutz und Belastung

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Wahrnehmung von Integration als fragile Balance. Internationale Pflege-Auszubildende erleben ihren Ausbildungsalltag im Spannungsfeld zwischen stabilisierenden Schutzräumen und belastenden Anforderungen.

Schutzräume entstehen dort, wo Auszubildende sprachliche Sicherheit, Orientierung und Vertrauen erfahren. Belastungen hingegen zeigen sich insbesondere in unklaren Erwartungen, hohem Zeitdruck, sprachlicher Unsicherheit und sozialen Distanzen im Team.

Die Forschung zeigt deutlich: Integration gelingt nicht automatisch. Sie bleibt stabil, wenn Schutzräume Belastungen ausgleichen. Kippen diese Verhältnisse, steigt das Risiko von Rückzug, Leistungsabfall und Ausbildungsabbruch.

Integration scheitert selten an einzelnen Problemen, sondern an der gleichzeitigen Häufung mehrerer Belastungen ohne ausreichende Schutzräume.

Sprache als Schlüssel zur Zugehörigkeit im Pflegealltag

Sprache erfüllt im Pflegealltag weit mehr als eine kommunikative Funktion. Sie entscheidet darüber, ob Auszubildende handlungssicher agieren, Rückfragen stellen und sich als Teil des Teams wahrnehmen.

Die Studie zeigt, dass sprachliche Unsicherheit häufig zu Rückzug führt – nicht aus fehlender Motivation, sondern aus Angst, Fehler zu machen oder missverstanden zu werden. Fachliche Kompetenz bleibt dann unsichtbar, obwohl sie vorhanden ist.

Sprache wirkt damit als Zugangsvoraussetzung zu Zugehörigkeit, Anerkennung und Verantwortung im Team. Sie ist nicht nur Lerninhalt, sondern ein zentraler Faktor für Ausbildungsqualität und Bindung.

„Wenn ich Deutsch gut spreche, reden die Kolleginnen anders mit mir.“

Theoretische Einordnung der Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie lassen sich konsistent in zentrale integrations- und bildungstheoretische Ansätze einordnen. Sie verdeutlichen, dass Integration kein einseitiger Anpassungsprozess ist, sondern ein sozialer Bildungsakt, in dem Zugehörigkeit, Anerkennung und Handlungskompetenz gemeinsam ausgehandelt werden.

In migrationspädagogischer Perspektive beschreibt Mecheril Integration als Bildungsprozess der Zugehörigkeit. Die Auszubildenden lernen nicht nur fachliche Inhalte, sondern entwickeln Orientierung und Positionierung innerhalb eines neuen sozialen Systems.

Die Grounded Theory nach Charmaz versteht Integration als Ergebnis sozialer Sinnkonstruktion. Bedeutungen von Kommunikation, Zusammenarbeit und Zugehörigkeit entstehen im Alltag – und können durch Reflexionsräume gezielt beeinflusst werden.

Bourdieu verweist mit dem Konzept des symbolischen Kapitals darauf, dass Sprache direkten Einfluss auf Anerkennung, Handlungsmacht und soziale Teilhabe hat. Heckmanns Modell der vierdimensionalen Integration macht deutlich, dass erfolgreiche Integration strukturelle, soziale, kulturelle und identifikatorische Dimensionen umfasst. Eine übergreifende Einordnung integrationsbezogener Konzepte findet sich u. a. bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Organisations- und Ausbildungsperspektive zur Integration internationaler Pflege-Auszubildender

Was bedeuten diese Ergebnisse für Pflegeeinrichtungen?

Die Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass Integration internationaler Pflege-Auszubildender keine individuelle Aufgabe der Lernenden ist, sondern eine organisationale Gestaltungsaufgabe.

Aus Sicht von Pflegeeinrichtungen bedeutet dies, Integration systematisch mitzudenken: in der Ausbildungsstruktur, in der Praxisanleitung, in der Teamkommunikation und in der Begleitung sensibler Übergangsphasen.

Wo Integration aktiv gestaltet wird, steigen Ausbildungssicherheit, Zufriedenheit und Bindung. Wo sie dem Zufall überlassen bleibt, erhöhen sich Risiken wie Überforderung, Konflikte und Ausbildungsabbrüche.

Für Organisationen ergeben sich daraus konkrete strategische Ansatzpunkte:

• Stabilisierung der Probezeit und des Ausbildungsstarts
• Verbesserung der Teamkommunikation und Anleitungssituation
• Frühzeitige Erkennung von Integrationsrisiken
• Erhöhung der Verbleib- und Bindungswahrscheinlichkeit
• Entwicklung messbarer Qualitätsstandards in der Ausbildung

OKOHO Consulting GmbH nutzt diese Forschungsergebnisse als Grundlage für die Entwicklung praxisnaher, forschungsbasierter Integrations- und Qualifizierungskonzepte. Die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung erfolgt organisationsspezifisch.

Eine detaillierte Darstellung unserer Leistungen finden Sie auf der Seite „Dienstleistungen“.

Quellen & theoretische Referenzen

Die in diesem Bericht dargestellten Ergebnisse und Konzepte basieren auf anerkannten integrations-, bildungs- und sozialwissenschaftlichen Ansätzen sowie auf einer qualitativen Studie im Ausbildungskontext der Pflege.

• Bourdieu, P. (1983). Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: Kreckel, R. (Hrsg.), Soziale Ungleichheiten. Göttingen: Otto Schwartz.

• Charmaz, K. (2014). Constructing Grounded Theory. 2nd ed. London: Sage.

• Heckmann, F. (2015). Integration von Migranten: Einwanderung und neue Nationenbildung. Wiesbaden: Springer VS.

• Mecheril, P. (2018). Migrationspädagogik. Weinheim: Beltz Juventa.

• Eigene qualitative Studie der OKOHO Consulting GmbH (2025).

Zitierempfehlung:

Toumi, Bertrand (2025). Integration, die bleibt. Forschung und Praxis für nachhaltige Ausbildungserfolge internationaler Pflege-Auszubildender. Herausgegeben von der OKOHO Consulting GmbH. Online verfügbar unter: https://www.okoho.de/integration-internationaler-pflege-auszubildender/