„Sie fragt nie nach.“
Die Situation
Frühdienst, 6:45 Uhr, Übergabe. Eine fachlich gute Pflegefachfrau mit anerkanntem Sprachnachweis hört zu und sagt nichts. Die Übergabe ist schnell, voller Abkürzungen und Verweise auf Dinge, die alle kennen. Mappe, Mentorin und Sprachkurs sind vorhanden.
Was dahinter liegt
Person: Sie sagt in der Übergabe nichts. Ihre Fachlichkeit ist da.
Team: In der Übergabe fragt niemand nach. Dass Nachfragen erwünscht ist, hat niemand gesagt.
Arbeit: Zeitdruck, Abkürzungen, stilles Vorwissen.
Rahmen: Im Ablauf der Übergabe gibt es keinen festen Platz für Rückfragen.
Stellschraube: Verständigung.
Die zweite Sicht
„Wer nachfragt, gilt als unsicher. Also frage ich später heimlich oder gar nicht.“
Vorbereiten
- Die Leitung legt vor der nächsten Ankunft mit dem Team die Übergaberegel fest: Abkürzungen werden beim ersten Mal erklärt, die letzten zwei Minuten gehören den Rückfragen. Werkzeug: Übergaberegel.
- Die Regel steht im Einarbeitungsplan, und jede Schichtleitung weiß, dass sie die Rückfragezeit hält, auch wenn die Leitung nicht dabei ist.
- Die Abkürzungsliste des Bereichs hängt im Dienstzimmer und liegt in der Willkommensmappe. Die Bezugsperson geht sie am ersten Tag mit ihr durch.
Begleiten
- Am Ende der Übergabe nicht „Alles klar?“ fragen, sondern eine Frage zum Inhalt stellen.
- Eine eigene Rückfrage vormachen.
„Was davon war neu für dich?“
Der Satz
Reflektieren
Frage für das Teamgespräch: „Wann hat zuletzt jemand Neues in der Übergabe nachgefragt, und wie haben wir reagiert?“
Nach 4 Wochen: Die Übergaberegel hängt aus, und die Abkürzungsliste liegt in der Willkommensmappe, mit Datum der letzten Ergänzung.
Nach 12 Wochen: In den Übergaben gibt es die Zeit für Rückfragen auch ohne die Leitung, und die nächste neue Kollegin bekommt Regel und Liste am ersten Tag.
Herkunft Buch, Szene „Die stille Übergabe“; Toumi Njeugue 2026. OKOHO-Integrationssystem nach Toumi Njeugue 2026, © Dr. Bertrand Toumi.
Erstgespräch vereinbaren
Dr. Bertrand Toumi, OKOHO. Stand: Oktober 2026.
- „Das Erstgespräch haben wir geführt.“
- „Das habe ich ihr doch gezeigt.“
- „Das hat sie nicht so gemeint.“
- „Fachlich gut, sprachlich schwach.“
- „Sie ist noch nicht so weit.“
- „Mit den Patienten geht es, aber das Rezept muss ich jedes Mal nachprüfen.“
- „Fachlich war sie gut, aber sie hat nicht in unsere Praxis gepasst.“